
Statement des 9. Internationalen Friedensseminars 2009
Familie und Frieden
Fünfzehn Jahre nach dem
Internationalen UNO-Jahr der Familie hat das Thema nichts an Aktualität
eingebüsst, und es ist nun mehr denn je angebracht, sich eingehend mit
Familie und Frieden zu befassen.
Die Vereinten Nationen haben
die Familie immer als Keimzelle der Gesellschaft betrachtet und sich für
deren Schutz und Förderung eingesetzt. In einer Veröffentlichung der
Vereinten Nationen von 2005 heisst es: „Mit der Ausrufung des Jahres 1994
zum Internationalen Jahr der Familie unter dem Motto ‚Familien: Ressourcen
und Verantwortlichkeiten in einer Welt im Wandel’ half die
Generalversammlung mit, das Thema Familie in den internationalen
Entwicklungsdialog einzubringen. In der Folge entwickelten Regierungen
nationale Aktionspläne für die Familie, richteten Familienministerien ein
und verstärkten ihre Familiengesetzgebung.“ Weiter wurden als die zwei
wichtigsten Zielsetzungen des Familienprogramms der Vereinten Nationen die
stärkere Betonung der Familie in der integrierten Entwicklungspolitik und
deren Programme sowie die erfolgreiche Begehung des zehnten Jahrestages des
Internationalen Jahres der Familie auf allen Ebenen genannt. Ebenso haben
sich die Vereinten Nationen dafür eingesetzt, dass jeweils am 15. Mai der
Internationale Tag der Familie weltweit begangen werden soll.
Trotz all dieser Bemühungen
konnte der weltweite Trend der Bedrängnis und der Schwächung der Familie
aber nicht aufgehalten werden. Die Situation ist sogar dramatischer als
zuvor. Eine erhöhte Scheidungsrate, eine zunehmende Mutter-Kind-Trennung,
eine Zunahme von Familien mit alleinerziehenden Elternteilen, ein
zunehmender Verlust tragender gesellschaftlicher Werte, die Schwächung
familiärer Bande und Solidarität tragen zur allgemeinen Destabilisierung
bei. Weltweite Migrationstrends bei mangelnder weltweiter Solidarität, Armut
und Hunger, Naturkatastrophen und die AIDS-Pandemie wirken sich, wie die
Vereinten Nationen berichten, ebenso nachhaltig auf die Familie aus. Die
Folgen sind katastrophal.
Kinder wachsen nicht nur ohne
Vorbilder, sondern auch ohne irgendwelche zuverlässige, menschliche Werte
auf. Die Erfüllung wesentlicher sozialer Aufgaben durch die Familie, wie
z.B. die Sozialisation der Kinder, die Vermittlung von Geborgenheit und
Lebenssinn und die Fürsorge für die jüngeren und älteren Mitglieder der
Familie, ist deutlich gefährdet.
Die allgemeine
Beziehungslosigkeit, Bindungsunfähigkeit und Suchtverhalten sind schon
epidemisch. Immer mehr Menschen verzichten auf menschliche Freundschaft und
Nähe – bzw. sehen sich dazu nicht imstande – und versuchen, das entstandene
Vakuum mit materiellen Gütern, Suchtmitteln, Fernsehen, Internet, etc. zu
füllen. Offensichtlich sind Menschen zunehmend von Menschen enttäuscht. In
dieser Atmosphäre der Beziehungslosigkeit machen sich Egoismus und
Selbstsucht breit.
Im Jahre 2004, zehn Jahre nach
dem Internationalen Jahr der Familie, erklärte die UNO: „Die Familie hat
eine kontinuierliche und entscheidende Rolle in der sozialen und
menschlichen Entwicklung wie auch in der Fürsorge und Unterstützung von
Individuen. Starke Familienbande waren immer Teil der meisten
Gesellschaften, und Familien leisten weiterhin und fast überall wichtige
Beiträge zum sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehen. In der Tat haben
Familien ein grosses, wenn auch oft nicht genutztes Potential zur nationalen
Entwicklung und zum Erreichen wesentlicher Ziele jeder Gemeinschaft wie auch
der Ziele der Vereinten Nationen beizutragen, einschliesslich der
Beseitigung von Armut und der Schaffung von gerechten, stabilen und sicheren
Gesellschaften. … Mit dem zunehmenden sozialen und ökonomischen Wandel, mit
der Globalisierung, dem sich ergebenden Druck von Aids, Migration und
Verstädterung sind auch Familien zunehmend in Bedrängnis geraten und
Familienstrukturen erfahren ebenso Veränderungen. Die Tendenz läuft auf
kleinere Familien mit wenigen Kindern hinaus, mit einer Schwächung der
erweiterten Familienbeziehungen, welche auf gegenseitiger Verpflichtung und
geteilter Verantwortung basieren. Diese Veränderungen haben manchmal zu
sozialen Problemen geführt – und zwar in dem Masse, als Familien weniger in
der Lage oder auch bereit waren, für die Bedürfnisse aller ihrer Mitglieder
zu sorgen.“
Tatsache ist, dass die Familie
sowohl Spiegel der gesellschaftlichen Realität ist sowie gesellschaftliche
Realitäten schafft. Nach den Forschungsergebnissen der Internationalen
Akademie für Humanwissenschaften und Kultur müssen wir die Familie als den
wichtigsten Ort einer Friedens- und Präventiverziehung ansehen. Hier werden
die Grundeinstellungen des Kindes geformt, Charaktereigenschaften entwickelt
und Verhaltensmuster gelernt. Deshalb ist ein nachhaltiger Frieden in der
Welt ohne den Frieden in der Familie nicht möglich.
Das Internationale
Friedensseminar 2009 widmet sich deshalb diesem wichtigen Themenkreis und
sucht Antworten u.a. auf die beiden grossen Fragen:
¨
Wie können wir den
negativen Entwicklungen und Tendenzen, welche die Familie schwächen,
entgegen wirken?
¨
Wie können wir Familien
stärken und sie zu einem effektiven Schulungsort für den Frieden gestalten?